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„Grenzen der Freundschaft“. Tourismus zwischen der DDR, ČSSR und Polen

Das Foto zeigt eine typische Urlaubsszene aus der sozialistischen Tschechoslowakei der 1970er Jahre. Im Vordergrund sind zwei charakteristische Autos der Zeit zu sehen - ein türkis-weißer Wartburg (mit Dachgepäckträger) und ein weißer Trabant. Im Hintergrund erkennt man die imposanten Felswände der Kleinen Fatra (Malá Fatra), ein beliebtes Wandergebiet in der heutigen Slowakei. Ein roter Bus ist ebenfalls auf der Bergstraße zu sehen. Das Bild vermittelt einen authentischen Einblick in den Tourismus im damaligen Ostblock, als viele DDR-Bürger ihre Urlaube in den "Bruderländern" verbrachten. Die Aufnahme stammt vom Fotografen Werner Großmann und wurde 1974 gemacht. Die farbigen Felsformationen und die grüne Vegetation der Berglandschaft bilden einen malerischen Hintergrund für diese Momentaufnahme des Urlaubsverkehrs.
ČSSR, Malá Fatra-Gebirge 1974. Foto: Werner Großmann (Bundesarchiv Bild 183-P0215-419)

Durch Europa verlief im Kalten Krieg der „Eiserne Vorhang“, doch auch die Grenzen zwischen den sozialistischen „Freundesländern“ waren ein Politikum und nur beschränkt passierbar. In den sechziger Jahren wurden sie zwar etwas durchlässiger, einen wahren Aufbruch markiert jedoch das Jahr 1972: In der DDR, ČSSR und Polen traten Regelungen in Kraft, die den wechselseitigen Grenzübertritt ohne Pass und Visum erlaubten.

Millionen von Menschen nutzten dies bereits im ersten Jahr. Sie unternahmen Urlaubsreisen, Tagesausflüge oder Einkaufstouren in die Nachbarländer. Mit diesen massenhaften und unorganisierten Auslandsreisen rückte der Alltag in der Fremde näher, was indes nicht immer reibungslos verlief.

Die Ausstellung beleuchtet die vielschichtigen Reiseerfahrungen hinweg über die „Grenzen der Freundschaft“. Zu sehen sind touristische Sachzeugnisse aus dem Museum Utopie und Alltag, aus weiteren Sammlungen und Archiven sowie von privaten Leihgeber:innen: von Reisekatalogen, Plakaten, Kartenmaterial bis zu Urlaubssouvenirs, Ansichtskarten, Fotoalben und Kleinbildfilmen.

Besucher:innen sind eingeladen, die Ausstellung durch ihre persönlichen Reiseandenken und Erinnerungen zu ergänzen!

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Museum Utopie und Alltag und des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Studierende haben unter Leitung von Dr. Mark Keck-Szajbel, der umfangreiche kulturwissenschaftliche Forschungen zu den „Grenzen der Freundschaft“ vornahm und hierüber seine Dissertation verfasste, die Schau seit Sommer 2021 maßgeblich erarbeitet. Gefördert ist das Projekt durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.