Toni Ebel in Chicago
Im Ausstellunghaus WRIGHTWOOD 659 (In neuem Tab öffnen) ist seit dem 2. Mai 2025 die Ausstellung The First Homosexuals: The Birth of a New Identity, 1869-1939 (In neuem Tab öffnen) zu sehen. Teil der Ausstellung ist das „Selbstbildnis“ von Toni Ebel aus dem Jahr 1955. Das Bild ist Teil des Beeskower Bestand und nun in Chicago zu sehen.
Toni Ebel (1881 – 1961) verbringt die letzen Jahre ihres bewegten Lebens in der DDR. Nach den Jahren im tschechischen Exil, kehrt sie in ihre Heimtstadt Berlin zurück. Dort wird sie als Malerin anerkannt und kann als Künstlerin nochmal Fuss fassen. Ihre Werke sind in den 1950er Jahren auf vielen größeren Ausstellungen in Berlin und Dresden vertreten. Toni Ebel gehört zu einer der ersten Transpersonen, die im frühen 20. Jahrhundert geschlechtsangleichende Operationen haben durchführen lassen. Ihre Transition und ihr Leben als Transfrau haben ihre Biografie stark geprägt, in ihrem künstlerischen Werk spielt dies allerdings kaum ein Rolle. In der letzten Phase ihres Lebens wird in der Öffentlichkeit ihr Frausein nicht infrage gestellt. Ihr Werk wird nach ihrem Tod fast vergessen. Nach dem engagierte Forscher:innen Leben und Werk wieder sichtbar gemacht haben, wird dem künstlerischen Schaffen von Toni Ebel in den letzten Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
Die Chicagoer Ausstellung The First Homosexuals: The Birth of a New Identity, 1869-1939 (In neuem Tab öffnen) untersucht den grundlegenden Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Homosexualität nach der Prägung des Begriffs „homosexuell“ im Jahr 1869. Zurvor wurde gleichgeschlechtliches Verlangen als etwas beschrieben, das man tat, nicht unbedingt als etwas, das man war. Die Ausstellung untersucht, wie Homosexuelle zum ersten Mal vom Rest der Bevölkerung abgespalten und mit einer Identität ausgestattet wurden, die sich um ihre Sexualität drehte. Seit der Erfindung des „Homosexuellen“ ist Sexualität allumfassend geworden und bestimmt, wer man im Innersten ist. Die Ausstellung ist beispiellos und umfasst mehr als 300 Werke von über 125 Künstlern aus 40 Ländern, Leihgaben aus über 100 Museen und Privatsammlungen weltweit.
Das Museum Utopie und Alltag ist stolzer Leihgeber der Arbeit von Toni Ebel, die damit nun auch international bekannt gemacht wird.