In der DDR trugen über zweihundert Schulen, Kindergärten und andere Organisationen den Namen Tamara Bunke, Bücher und Zeitschriftenartikel berichteten von ihrem Leben. Die deutsch-argentinisch-kubanische „Tania la Guerillera“ an der Seite von Ernesto „Che“ Guevaras war eine nicht unumstrittene Ikone der von der SED propagierten „Solidaritätsbewegung“. Aus dem kollektiven Gedächtnis des vereinten Deutschlands ist sie aber auch heute nicht verschwunden.

1937 geboren verbrachte Tamara Bunke ihre Kindheit in Buenos Aires in Argentinien. Ihre Eltern befanden sich dort im Exil nach ihrer Flucht vor nationalsozialistischer Verfolgung. 1952 übersiedelte die Familie in die DDR. In der Erweiterten Oberschule „Clara Zetkin“ in Stalinstadt (heute Eisenhüttenstadt) absolvierte Tamara Bunke 1956 das Abitur. 1958 begann sie ein Studium an der Humboldt Universität in Berlin, bevor sie 1961 die DDR in Richtung Kuba verließ, um sich den Befreiungsbewegungen in Kuba und Bolivien anzuschließen. Auf Kuba erlangte sie als „Tania la Guerillera“ eine bis heute anhaltende Popularität.

Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um ihre Person, vor allem um ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod am 31. August 1967 in einem Feuergefecht im bolivianischen Dschungel. Seit 2013 widmete sich ein Projekt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin den verschiedenen Interpretationen ihres Lebens und Fakten ihrer Biographie. Prof. Dr. Oliver Rump untersuchte mit Studierenden des Studiengangs Museumskunde den Nachlass Tamara Bunkes, der von ihrer Mutter Nadja aufbewahrt wurde und über die Arbeitsgruppe Cuba Sí bei der Partei DIE LINKE an die HTW Berlin gelangte. 750 Mappen und Kartons mit Briefen, Notizbüchern, Schulheften und Objekten wie einer Uniform wurden inhaltliche erschlossen und dokumentiert. Heute wird das Material im Gedenk- und Museumskomplex „Ernesto Che Guevara“ Santa Clara/ Kuba aufbewahrt, wo sich auch die sterblichen Überreste von Tamara Bunke befinden.

Aus dem Studienprojekt in Berlin erwuchsen zwei Wanderausstellungen in deutscher und in spanischer Sprache, die bereits an verschiedenen Orten im In- und Ausland gezeigt wurden. Oliver Rump stellt in seinem Vortrag das Vorhaben zur Erforschung und Sicherung des Nachlasses Tamara Bunkes vor, berichtet über neue Erkenntnisse und seine Erfahrungen aus seinen Reisen und Kontakten nach Kuba.

Prof. Dr. Oliver Rump ist Professor für Museumskunde und Museumsmanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Er studierte Volkskunde und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Geographie an der Universität Hamburg. Bis 2008 war er Direktor am Museum für Kommunikation in Hamburg.

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