Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“ lädt das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR zu einer Führung durch die Planstadt Eisenhüttenstadt ein.

Architektur und Städtebau waren in der Systemkonkurrenz des Kalten Krieges ideologisch und politisch stark aufgeladen. Dies kennzeichnet besonders den Umgang mit dem Erbe des Bauhauses und der klassischen Moderne, der in der DDR in den 1950er Jahren mehrfache Kurswechsel durchlief. In Eisenhüttenstadt, der ersten und einzigen vollständigen Stadtneugründung der DDR, lässt sich dies wie unter einem Brennglas nachvollziehen. 1950/1951 nach einer städtebaulichen Grundidee des Bauhaus-Schülers Franz Ehrlich begonnen, avancierte die sozialistische Planstadt im Zuge des nahezu zeitgleich ausgetragenen „Formalismus-Streits“ zu einem Aushängeschild traditionalistischer Stadtbaukunst. In dieser Phase des Rückbezugs auf historische Stilformen entstand der überwiegende Teil der ersten drei Wohnkomplexe der Stadt, die heute eines der größten Flächendenkmale Deutschlands bilden. Um 1957 vollzog sich in der DDR eine erneute baukulturelle Hinwendung zur Moderne, die sich in Stalinstadt, wie der Ort damals noch hieß, eindrucksvoll in der Gestaltung des Stadtzentrums entlang der Magistrale niederschlug. Von der baulichen Großform, über die Farbgebung der Fassaden bis hin zur Gestaltung der Freiflächen ist entlang dieser Achse alles aufeinander abgestimmt. Mit einer Kette von Punkthochhäusern schuf sich Eisenhüttenstadt ein modernes Wahrzeichen und setzte Akzente in der kommunalen Selbstrepräsentation.

In einem etwa zweistündigen Rundgang werden stadtbildprägende Gebäude und Ensembles aufgesucht, verbunden mit einem Blick von einem der Hochhäuser an der Magistrale.

Beginn: 14.00 Uhr am Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt.

Kooperationspartner der Veranstaltung sind die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft eG sowie die Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH.

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