Etwa drei Millionen Rotarmisten starben infolge völlig unzureichender Versorgung und Gewalt in der Hand der Wehrmacht. Sie bilden die zweitgrößte Opfergruppe der NS-Vernichtungspolitik nach den europäischen Juden. Gleichwohl wurde in der Zeit der Blockkonfrontation nur sehr selten an ihr Schicksal erinnert. Die Sowjetunion und die DDR waren darum bemüht, das Bild der siegreichen Rotarmisten nicht durch Hinweise auf ihr Leiden und Sterben zu beeinträchtigen. Überdies hatte Stalin die Gefangenen seiner Armee pauschal als Landesverräter gebrandmarkt. In der Bundesrepublik galten die Sowjetunion dagegen als feindliche Macht und der Bolschewismus als fortbestehende Bedrohung. Ein Gedenken an sowjetische Opfer war deshalb unerwünscht, wie über die Verbrechen der Wehrmacht insgesamt lange geschwiegen wurde.

Die in Ost wie West gepflegten ritualisierten Gedenkkulturen öffneten sich dank zivilgesellschaftlicher Initiativen inzwischen historisch konkreten und lebendigen Formen des Erinnerns. Wie kann heute ein angemessener Umgang mit der Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen aussehen? Diese Frage wird in der Tagung am Beispiel von Eisenhüttenstadt diskutiert: Am Platz des Gedenkens ruhen hier die Überreste von etwa 4.100 Rotarmisten. Sie kamen im Kriegsgefangenenlager STALAG III B ums Leben, zwei Kilometer entfernt vom heutigen Stadtzentrum. 1951 in anonymen Grabkammern beigesetzt, sollen die Namen der Toten künftig genannt werden.

Das Symposium findet begleitend zur Ausstellung „Krieg, Befreiung, Freundschaft. Arbeiten aus dem Kunstarchiv Beeskow – Kunst aus der DDR“ statt.

Programm: „Im Schatten der Erinnerung. Sowjetische Kriegsgefangene und Kalter Krieg“

Tagungsort: Rathaus, Saal der Stadtverordnetenversammlung, Zentraler Platz 1

Begrenzte Platzzahl: Verbindliche Voranmeldung erforderlich: axel.drieschner@l-os.de

Ton- und Bildaufnahmen: Von der Veranstaltung werden Aufzeichnung in Bild und Ton angefertigt und über verschiedene Medien öffentlich verbreitet. Durch Ihre Teilnahme erklären Sie sich unwiderruflich mit der unentgeltlichen Verwendung Ihres Bildnisses und Ihrer Stimme einverstanden. Bitte wenden Sie sich an uns, sollten Sie hierzu nähere Informationen wünschen.

Ein Projekt im Rahmen des Themenjahres »Krieg und Frieden. 1945 und die Folgen in Brandenburg – Kulturland Brandenburg«

Kulturland Brandenburg 2020 wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des
Landes Brandenburg.

Schliessen