Entgegen der historischen Bedeutung des Ereignisortes des ehemaligen Stalag III B erfuhren die Schülerinnen und Schüler jedoch erst in der Projektarbeit etwas über dessen Geschichte, die sie im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt im Ortsteil Fürstenberg (Oder) vertiefen konnten. Einen weiteren Hinweis darauf suchten sie in der Stadt vergebens.

So machten sich die jungen Forscher*innen auf die Spurensuche nach Zeugnissen, die ihnen eine Vorstellung vom Alltag und Umgang mit den Kriegsgefangenen unterschiedlicher Nationalitäten im ehemaligen Stalag IIIB vermittelten. Daneben knüpften sie Kontakt mit dem inzwischen verstorbenen Günter Slosarek, der als Zeitzeuge über seine Erinnerungen an Begegnungen mit Kriegsgefangenen erzählte. Das Ziel der Projektgruppe bestand darin, die ehemaligen Kriegsgefangenen selbst zu Wort kommen zu lassen, um auf diese Art ein differenziertes und unmittelbares Bild von deren Alltag zu erhalten. Selbstzeugnisse waren zu diesem Zweck zu lesen, zu transkribieren und zu übersetzen. Die bereitwillige Unterstützung von Lehrkräften der Schule und von Einwohnern in Eisenhüttenstadt ließen das Vorhaben über den schulischen Kontext hinaus zu einem gemeinsamen und (begrenzt) öffentlichen Projekt werden.

Die Ergebnisse der Recherchen verarbeiteten die Schüler*innen schließlich in einem Film, der als Wettbewerbsbeitrag eingereicht und mit einem ersten Preis auf Landesebene prämiert wurde. Eine öffentliche Vorführung des Films im Rahmen des Gedenkens an den 8. Mai 1945 im Städtischen Museum in Eisenhüttenstadt/ OT Fürstenberg musste wegen der Pandemie leider abgesagt werden.

Geblieben ist die Idee, nachhaltig an die Geschichte des Stalag III B und die dort begangenen Verbrechen zu erinnern, und zwar direkt am Ort der Ereignisse. Das erscheint uns deshalb so wichtig, da das Interesse von Nachfahren ehemaliger Kriegsgefangener und historisch interessierter Menschen nach wie vor sehr groß ist. Außerdem liegt uns daran, sowohl den Eisenhüttenstädter Einwohnern und Einwohnerinnen als auch historisch Interessierten die Zeugniskraft des Ortes zu verdeutlichen und diese im historischen Gedächtnis der Stadt lebendig zu erhalten.

Um das zu realisieren, schlagen wir einen Dialog zwischen Schule, Stadt und Verantwortlichen der historisch-kulturellen Bildung vor Ort vor. Erste Überlegungen sind bereits in einem Konzept festgehalten, das als Diskussionsangebot der Stadt übergeben wurde. Grundsätzlich besteht das Ziel für uns als Schule darin, die Beschäftigung mit regionalhistorischen Aspekten, darunter insbesondere der Geschichte des Stalag III B, stärker in den Unterricht zu implementieren und in Projekten zu vertiefen, deren Ergebnisse schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.

 

Zu den Personen:

Antje Hoffmann:

Geboren 1970, Studium der Fächer Germanistik und Geschichte an der Universität Leipzig (1. und 2. Staatsexamen für das Lehramt Sek.I/II in beiden Fächern). Lehrerin und stellv. Schulleiterin an der Gesamtschule 3 Eisenhüttenstadt. Zuvor war sie über mehrere Jahre hinweg  als Fachberaterin für Geschichte im Bereich des Staatlichen Schulamtes Frankfurt (Oder), sowie in der fachlichen Beratung bei der Er- und Überarbeitung von Lehrwerken des Faches Geschichte tätig.

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