Ausgangspunkt ist die Frage nach der Entstehung von freier Zeit und das Verhältnis von freizeithemmenden und freizeitfördernden Faktoren. Einerseits nahm freie Zeit zu, durch Arbeitszeitverkürzungen, die 5-Tage-Woche und technische Innovationen im Haushalt. Andererseits wurden diese Zuwächse durch „Zeitfresser“ außerhalb der Arbeitszeit wieder verbraucht, durch Arbeitswege, Schlange stehen, Hausarbeit, „gesellschaftliche Tätigkeit“. Die freie Zeit, die am Ende tatsächlich zur Verfügung stand, wurde in der DDR überaus vielfältig genutzt. Es wurde gebastelt, gelesen und gesammelt. Man trieb Sport, besuchte kulturelle Veranstaltungen und die verschiedensten „Zirkel“, fuhr in Urlaub oder tat schlichtweg gar nichts.

Der Feierabend gehörte der Familie, den Hobbys oder dem Fernseher, wenn nicht die zahlreichen Angebote der Massenorganisationen wahrgenommen wurden, die organisiert und kollektiv »sinnvolle Freizeitgestaltung« versprachen. Das freie Wochenende, seit Mitte der 60er Jahre auf zwei Tage ausgeweitet, war Ausflügen, Hobbys, Basteln am Auto oder dem eigenen Garten gewidmet. Auch stand ein ausgebautes Netz an Naherholungsgebieten zur Verfügung.

Der Urlaub sollte ein selbstverständlicher, sozialpolitisch begründeter Teil der „sozialistischen“ Gesellschaft werden, so jedenfalls die Vorstellungen der frühen 50er Jahre. Ab den 60er Jahren aber entwickelte sich in den „schönsten Wochen des Jahres“ in der DDR – nahezu zeitgleich wie in den westlichen Ländern – ein Massentourismus, weil erzieherische Konzepte von Urlaub nicht gegriffen hatten. Die DDR-Bürger reisten organisiert mit dem Feriendienst des FDGB oder sie verbrachten ihre Urlaubstage in „Ferienobjekten“ der Betriebe. „Reisebüro der DDR“ und FDJ-eigener „Jugendtourist“ boten Reisen ins sozialistische Ausland an und die Kinder verbrachten die Sommerferien im Ferienlager. Alternativen waren entspannte Tage in der Gartenlaube oder auch „Urlaub auf Balkonien“, zunehmend beliebter wurde der privat organisierte Campingurlaub.

Die Organisation von Ferienlagern für Kinder und die Verantwortlichkeit der Gewerkschaften für den Erholungsurlaub der „Werktätigen“ bereits ab 1946 und 1947 zeigen die sozial- und gesellschaftspolitische Intention, die der Verantwortlichkeit „des Staates“ in der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 der DDR zugrunde lag. Die Vorstellungen von Freizeit und Urlaub erhielten damit eine DDR-spezifische Ausprägung, die auf eine soziale Versorgung als Teil der sozialistischen Gesellschaft zielte. Damit war auch ein erzieherisches Moment zu einem vernünftigen, eben „sozialistischen“ Freizeitverhalten verbunden, das jedoch mit der zunehmenden Konsumorientierung immer weniger griff. Der Erholungsurlaub der Werktätigen wurde zum Massentourismus.

Gerade bei Freizeit und Urlaub zeigt die DDR damit auch ihr Gesicht als moderne Industriegesellschaft. Ähnlichkeiten zum Westen sind beim Massentourismus und bei bevorzugten Urlaubsformen unübersehbar. Die Unterschiede sind aber gleichfalls deutlich: die Parallelität privater und staatlicherseits angebotener Formen von Freizeit- und Urlaubsgestaltung, die Subventionierung der staatlichen Angebote, die weitgehende Beschränkung der Reiseziele auf die DDR und die übrigen Länder des Ostblocks.

Besonders prägend war der Einfluss des Staates auf die Freizeitgestaltung. Sie war Teil des offiziellen sozialpolitischen Programms der DDR und sollte ein Baustein der „sozialistischen Lebensweise“ sein. So reichte die staatliche Einflussnahme von der Organisation der „Gartensparte“ über Angebote organisierter Freizeit in Zirkeln und Arbeitsgemeinschaften bis hin zur Organisation des Urlaubs.

Und doch standen private und staatliche Vorstellungen über Freizeit und ihre Gestaltung in einem ständigen Spannungsverhältnis: Nichts Tun als Erholung wurde lange Zeit nicht gern gesehen, organisierte „aktive Erholung“ im Kollektiv dagegen propagiert. Doch die Wünsche und Vorstellungen der Bevölkerung orientierten sich oftmals nicht an diesen Vorgaben. Erst in den 70er Jahren wurde nach langen Prozessen des Aushandelns offiziell akzeptiert, was sich im Leben durchgesetzt hatte: freie Zeit als Zeit der Muße und individuellen Erholung.

Die Ausstellung zeigt mit zahlreichen Objekten die unterschiedlichen Aspekte der „freien Zeit“ und ihre geschichtlichen Entwicklung in der DDR. Über die Entstehung von immer mehr „freier Zeit“ spannt sie den Bogen vom Feierabend über das Wochenende bis zum Urlaub und stellt die unterschiedlichen Akteure, Formen und Ziele vor. „sich ausruhen“ – der Titel verweist auf den eigentlichen Sinn von Freizeit und Urlaub.

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