Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits 33 Konsumgenossenschaften seit Kriegsende wiedergegründet, nachdem die konsumgenossenschaftliche Organisation durch die Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren zerschlagen worden war. Die Konsumgenossenschaften wuchsen in der DDR zur drittgrößten „Massenorganisation“ mit 4,6 Millionen Mitgliedern heran und leisteten durchschnittlich etwa ein Drittel des Einzelhandelsumsatzes.

Die Konsumgenossenschaften, kurz Konsum genannt, sollten zunächst einen nicht in Privathand befindlichen Handelsapparat aufbauen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs zu sichern. Dazu wurden sie von der Sowjetischen Militäradministration auch bevorzug mit Waren beliefert, und solange die Rationierung von Gütern anhielt, hatte der Konsum in erster Linie eine Verteilungsfunktion. Zugleich erwuchs ihr mit der staatlichen Handelsorganisation (HO) ab 1948 ein Konkurrent, der dann eine zunehmende staatliche Förderung erfuhr. 1952/53 wurden die Schwerpunkte der jeweiligen Handelstätigkeit festgelegt und der Konsum erhielt die vorrangige Aufgabe, die Versorgung ländlicher Gebiete zu organisieren. In den folgenden Jahren wurde daher ein flächendeckendes System von Verkaufsstellen und Dorfgaststätten etabliert. Mit Entstehen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) 1953 übernahm der Konsum verstärkt deren Versorgung. 1961 befanden sich knapp 24 000 Verkaufsstellen und beinahe alle der etwa 6000 Konsum-Gaststätten auf dem Lande.

Aufgabe des Konsum blieb die „stabile und kontinuierliche Versorgung der Bevölkerung“, aber zugleich kam es zu einer durchgreifenden Modernisierung des Handelsnetzes. 1956 wurde der erste Selbstbedienungsladen nach westlichem Vorbild eröffnet, Ende 1961 waren es trotz fehlender Verpackungen schon über 10 000. In den 60er Jahren erfolgte eine weitere Rationalisierung durch Sortimentstypen und eine Spezialisierung der Fachgeschäfte in den Städten. Hier wurden dann ab Ende der 60er Jahre auch die ersten Kaufhallen (Supermärkte) errichtet, deren Pendant auf dem Lande die Ländlichen Einkaufszentren (LEZ) waren.

1961 wurde der konsumgenossenschaftliche Versandhandel als Teil eines „komplexen Systems der Landversorgung“ gegründet (das Versandhaus der HO in Leipzig bestand bereits seit 1958). Das Versandhaus in Karl-Marx-Stadt erreichte Hunderttausende von Kunden, immer stärker nicht nur auf dem Land, und versorgte sie mit Kleidung, Möbeln und Konsumgütern. Unter dem Dach des Zentralen Unternehmens „konsument“ wurde das Versandhaus mit den größten Konsum-Warenhäusern und der konsumgenossenschaftlichen Bekleidungs- und Möbelindustrie zusammengefaßt. Als der Versandhandel 1975 aufgrund der unzureichenden Warendecke eingestellt wurde, verstaatlichte man zugleich die mit ihm verbundenen Bekleidungsbetriebe und bei „konsument“ verblieben die Warenhäuser, dessen bekanntestes das am Leipziger Brühl war.

Die große Mehrzahl der etwa 1500 Konsum-Betriebe waren Bäckereien und Fleischereien. Sie stellen 1958 ein Viertel der Backwaren und mehr als ein Drittel der Fleischwaren in der DDR her. Daneben bestanden konsumgenossenschaftliche Betriebe vor allem in den Bereichen Lebensmittelindustrie (Teigwaren, Gewürze, Nährmittel, Süßwaren, Getränke) und   Haushaltswaren (Seife, Streichhölzer, Bürsten), die teilweise führend in ihren Industriezweigen waren. Das Produktionsprofil verweist auf die traditionellen und nach 1945 wieder aufgenommenen Schwerpunkte des Konsum, die Konzentration auf Grundbedürfnisse.

Dieser Versorgungsaspekt bemaß sich in der DDR zunächst nach der Versorgungslage, mit teilweise bis 1958 noch rationierten Gütern, aber auch später noch teilweise knappen Gütern und Rohstoffen. Hinzu kam der geringe Stellenwert der Konsumgüterindustrie und die unklare Stellung des Handels im politischen und Wirtschaftssystem der DDR: sollte er lediglich am Bedarf orientiert versorgen, oder gab es eine „sozialistische Konsumgesellschaft“? Der Konsum war in diesem Sinne ein Spiegelbild der DDR-Entwicklung zwischen Schlangestehen nach Engpaßwaren und Modernisierung der Geschäfte, zwischen „Dorfkonsum“ und Warenhaus.

Gab es so etwas wie eine Konsum-Identität? Durch ihre Einlage von 50 Mark war ein Drittel aller DDR-Haushalte Mitglied einer Konsumgenossenschaft und profitierte von den jährlichen vorweihnachtlichen Rückvergütungen. Rund 200 000 Mitglieder arbeiteten ehrenamtlich in den Organen der Konsumgenossenschaften, den Verkaufsstellenausschüssen, Revisionskommissionen, Vorständen, Beiräten und als Delegierte mit. 1946 betrachtete die SED die Konsumgenossenschaften als „Grundschulen für die politische Erziehung der Frauen“. Zugleich wird behauptet, der Konsum habe sich ab Ende der 50er Jahre nicht mehr von der HO unterschieden.

Im Einigungsvertrag von 1990 wurden die Konsumgenossenschaften schlicht vergessen, so dass viele Konsumgenossenschaften in eigentumsrechtliche und damit auch in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten. Flächendeckend ist der KONSUM heute in den neuen Bundesländern nicht mehr präsent. Gleichwohl ist vieles an wirtschaftlicher Tätigkeit  erhalten geblieben. Heute gibt es noch 15 Konsumgenossenschaften und weitere genossenschaftliche Unternehmen. Dazu gehören z.B. die Röstfein GmbH Magdeburg (Rondo, Mona) oder auch die Bürstenmann GmbH in Stützengrün.

Die Ausstellung des Dokumentationszentrums zeigt die Entwicklung des KONSUM in vierzig Jahren DDR durch zahlreiche Objekte und Fotografien und stellt seine Entwicklung erstmals in einer breiten Übersicht dar. Gezeigt werden die Formen des Handels, vom Dorfkonsum bis hin zum konsumgenossenschaftlichen Versandhaus, und die wichtigsten der zahlreichen Produktionsbetriebe.

Katalog zur Ausstellung:
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (Hrsg.):
KONSUM. Konsumgenossenschaften in der DDR, Böhlau-Verlag 2006, 204 S., zahlr., teils farbige Abb., 19,90 Euro
ISBN 3-412-09406-4

Die Ausstellung wurde mit Hilfe zahlreicher Leihgeber und Unterstützer realisiert.

Besondere Förderung erfuhr das Projekt durch den Konsumverband eG.

Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien, dem Landkreis Oder-Spree und von privater Seite. In Cottbus wird die Ausstellung unterstützt von Galeria Kaufhof.

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