Werbung wurde gemacht, weil man sich präsentieren wollte und nicht, um gegen Konkurrenten auf dem Markt anzutreten. Die DDR war eher von einem Mangel an Konsumgütern geprägt, als durch Überfluss. Die Verstaatlichung privater Betriebe bis 1972 und die Bildung großer Kombinate bewirkten, dass immer weniger Auswahl zwischen verschiedenen Produkten bestand und Werbung zunehmend sinnlos wurde. Versorgung oder Konsum – in diesem Gegensatz musste Werbung in der DDR bestehen.

Werbung war im Grunde genommen überflüssig, aber sie bestand dennoch. In der Nachkriegszeit gab es aufgrund des allgemeinen Mangels so gut wie keine Werbung. Erst mit den „Neuen Kurs“ vom Juni 1953, der unter anderem eine Steigerung der Produktion von Konsumgütern vorsah, entstand wieder vermehrt Werbung und binnen weniger Jahre entwickelte sich ein neuer Stil, der durch das „Neue Ökonomische System“ verstärkt wurde, das die DDR-Wirtschaft stärker auf ökonomische Anreize orientieren wollte, unter anderem den individuellen Konsum. Somit bilden die späten 50er und die 60er Jahre den Höhepunkt des Werbeschaffens in der DDR. In den 70er Jahren ging die Produktwerbung für den Binnenmarkt dagegen stark zurück, bis sie fast zum Erliegen kam. Die Ausstellung nimmt diese Veränderungen in Form einer „Werbechronologie“ auf.

Geworben wurde für den Binnenhandel, den Außenhandel, für gesellschaftliche Anliegen und für Politik.

Im Binnenhandel standen Produkte für den täglichen Bedarf und für neu entwickelte Konsumgüter im Vordergrund und auch die beiden großen Handelsorganisationen, die staatliche HO und die Konsumgenossenschaften, warben. Nirgends war die DDR so schön wie auf ihren Plakaten. Werbung konnte die Realität der Eintönigkeit des Warenangebots und der Käuferschlangen nicht überdecken, aber sie wollte das, was verfügbar war, präsentieren, bis hin zur „Bedarfslenkung“.

Geworben wurde für die unterschiedlichsten Produkte. In der Ausstellung wird eine Auswahl in einigen „Produktbiographien“ vorgestellt. Zu sehen sind Kosmetika und Zahlenlotto, Haushaltsgeräte und Versicherungen, Lebensmittel und Bekleidung und vieles andere mehr.

Ganz anders war die Werbung für den Außenhandel. Plakate, Werbegeschenke und die Ausstattung der Leipziger Messe zeigen in der Ausstellung den Kontrast zur Werbung für den Binnenmarkt.

Zunehmend gewann die sogenannte gesellschaftliche Werbung an Bedeutung. Obwohl Werbung nie ohne gesellschaftlichen Bezug ist, wurde in der DDR für allgemeine gesellschaftliche und politische Ziele und für angestrebte Verhaltensnormen geworben. Gerade in den 1970er und 80er Jahren entstand so ein eigener Werbebereich, der auch die für die DDR typische Verflechtung von Politik, Staat und Wirtschaft zeigt.

Geworben wurde in der DDR auf Plakaten und mittels Anzeigen, durch gedruckte Produktinformationen vom Faltblatt bis hin zur Verpackung, durch „Blickfänge“ in den Geschäften, durch Fassadenwerbung und zeitweise auch im Fernsehen und in Kinos. Aus heutiger Sicher erscheint Werbung in der DDR zurückhaltend, es fehlten die großflächigen Plakatwände ebenso, wie Werbebeilagen in Zeitungen. Die Ausstellung zeigt eine Übersicht über die in der DDR genutzten Werbemittel. Sie informiert darüber hinaus über die „Macher“, von der SED-eigenen DEWAG bis zu freiberuflichen Werbegestaltern.

Die Ausstellung wurde gefördert von der Sparkasse Oder-Spree und der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv Potsdam-Babelsberg und dem Firmenhistorischen Archiv der Allianz AG.

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