In ihrem neuen Buch „Frauen in der DDR“ zeigt Anna Kaminsky, wie die Frauen mit dieser Vielzahl von Ansprüchen und Erwartungen umgingen. Sie betrachtet den Alltag, die Wünsche und Sehnsüchte von Frauen sowie die Reaktionen von Männern auf das geänderte Frauenbild. Der hohe Grad von berufstätigen Frauen und Müttern, der mit über neunzig Prozent im letzten Jahrzehnt der DDR zu den höchsten weltweit gehörte, wurde als Zeichen für die gelungene Gleichberechtigung genommen.

Die moderne Frau in der DDR sollte nicht nur voll berufstätig sein, sie sollte sich auch ständig weiterbilden und in gesellschaftlichen Organisationen aktiv sein, sie sollte den Haushalt meistern und ihren Kindern eine gute Mutter sein.

Auch heute bewegt sich die öffentliche Debatte in Sachen Gleichberechtigung um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Feminismus und Emanzipation oder in neuerer Zeit um die Sinnhaftigkeit von Quoten, die dazu beitragen sollen, Frauen verstärkt in Führungspositionen zu bringen. Die hinter all diesen Debatten und Modellen stehende Frage lautet: Welche Bedingungen braucht es, damit die verschiedenen Geschlechter gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen können?

Dr. Anna Kaminsky ist Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie studierte an der Sektion Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft der Karl-Marx-Universität in Leipzig. 1992 Promotion, 1993 bis 1998 Mitarbeit u.a. am Berliner Institut für vergleichende Sozialforschung, an der Universität Münster, der Gedenkstätte Sachsenhausen und am Deutschen Historischen Museum, seit 2001 Geschäftsführerin Stiftung Aufarbeitung.

Schliessen