Die Perspektive der Alltagskultur könnte ein Bindeglied zwischen politischer Geschichte, gesellschaftlichen Funktionsmechanismen und individueller Erfahrung bilden. Danach fragte die Ausstellung Fortschritt, Norm und Eigensinn, deren Titel drei Pole gesellschaftlicher Entwicklung in der DDR andeutete.

Fortschritt steht für die Triebkräfte in der DDR-Gesellschaft nach Verbesserung der Lebensverhältnisse und sozialer Gerechtigkeit, Norm ist Begriff für Einengung, bürokratische Verkrustung, den Versuch der Lenkung und Steuerung aller Lebensbereiche. Eigensinn dagegen bezeichnet die individuellen und kollektiven Vorstellungen und Handlungsstrategien, die lebenspraktische Aneignung des Landes.

Die Ausstellung stellte den Kalten Krieg und die Systemkonkurrenz vor, die Ost und West – systemübergreifende Literatur, die Macht und ihre Symbole, Bildung und Erziehung, Kinderzeitschrift „Bummi“, generationsprägende Erfahrungen mittels Fotografien, die Weltjugendfestspiele 1951 und 1973, Vertragsarbeiter in der DDR und Teilnehmer am Bau der Erdgastrasse vor. Brigade, Hausgemeinschaft und Gartensparte, Wohnkultur und die feinen Unterschiede in den Lebensstilen, Sozialpolitik, Formen der Entlohnung und der Motivation durch Lohn, Auszeichnungen und Prämien, Handel, Versorgung und Beschaffungswege waren Thema der Ausstellung, ebenso wie die industrielle Überformung des Oderraums durch Großindustrie.

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