In „Die Schlüssel“ repräsentieren eine Arbeiterin und ein Student, mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz prominent besetzt, die unbeschwerte Lebenshaltung der Nachkriegsgeneration. Gleichwohl spüren sie, ihren sozialen Hintergrund und überkommene gesellschaftliche Konventionen nicht abstreifen zu können. Der hieraus erwachsende Beziehungskonflikt endet tragisch.

Dem offenen Blick auf die Wirklichkeit, der sich die Zeit nimmt für genaue Beobachtungen, entspricht die filmische Methode: Gearbeitet wird in weithin improvisierten Szenen und Dialogen. Mit gleichsam dokumentarischer Haltung begleitet die Kamera das Paar durch den Alltag der Stadt, zeigt sie bei Fahrten mit der Straßenbahn, beim Besuch eines Rockkonzerts oder bei Gesprächen in der Lenin-Hütte in Nowa Huta. Der Regisseur Egon Günther wagt ein filmisches Experiment, indem er „versucht, nicht dramaturgische Regeln zu befolgen, sondern herauszufinden …, wie Realität funktioniert, nicht, wie Dramaturgie funktioniert …“.

Das ZK der SED ist mit dem ungeschönten Realismus und den ästhetischen Experimenten des Films nicht einverstanden, so dass er verstümmelt und vor dem Publikum versteckt wird. Der Kulturminister der DDR hält intern fest: „Wir werden ihn eine Weile laufenlassen und dann aus dem Verkehr ziehen“.

Wir laden Sie ein, den Film mit uns wiederzuentdecken und mit Jaecki Schwarz darüber ins Gespräch zu kommen.

 

„Die Schlüssel“

Spielfilm, DDR 1972/1974

Regie: Egon Günther

Hauptdarsteller: Jutta Hoffmann, Jaecki Schwarz

Dauer: 97 min

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