Komplizierte Einreisebedingungen standen zwischen dem großen »Freundesland«, den Volksdemokratien und den reisewilligen DDR-Bürgern. So gehörte das Ausland nur selten zur unmittelbaren Erfahrung, aber dennoch entstand ein Bild. Geprägt hat es über vierzig Jahre hinweg maßgeblich der Berliner Verlag Volk und Welt, der größte und wichtigste Belletristikverlag der DDR für internationale Literatur.

Diese Verlagsgeschichte steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Europa im Kopf“. Sie fragt nach der kulturellen Bedeutung der Volk und Welt-Literatur und ihrem Beitrag zur Rezeption Europas in der DDR. Mit der Herausgabe von Autoren wie Louis Aragon bis zu Arnold Zweig gestaltete der Verlag ein vielfältiges Buchprogramm, das kulturell und sprachlich auf der Höhe der Zeit war.

Zu den Besonderheiten des Verlages gehörten auch jene Bücher, die versuchten unmittelbar ein Bild des jeweiligen Landes zu zeichnen. Dazu zählen die Erkundungen, der Volk-und-Welt Report oder die Bild-Text-Bände. Sie zeigen ein weltoffenes Selbstverständnis, aber gleichzeitig auch die Einschränkungen, denen der Verlag unterworfen war. Denn nicht alle Themen sollten der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Buchgestalter und Illustratoren wie Werner Klemke, Lothar Reher oder Ulrich Lindner brachten dem Verlag die begehrten Auszeichnungen »Schönste Bücher« sowie »Schönste Schutzumschläge« ein.

Ausgehend von den Büchern des Verlages Volk und Welt zeigt die Ausstellung Zusammenhänge des „Leselandes DDR“ und europäischer Vorstellungswelten.

»Europa im Kopf« porträtiert europäische Länder aus Ost und West, vor allem mittels Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Zu sehen sind ebenso ausgewählte Photos aus dem Verlagsleben, Autorenbriefwechsel, Originale der Buchgestaltung und Werbematerialien.

Das Volk und Welt Bucharchiv, ein umfangreicher Bestand des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR, wird mit dieser Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Aus der Ausstellung wurde die Wanderausstellung „Fenster zur Welt“ entwickelt.

Für die Unterstützung der Ausstellung danken wir:

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