Der Autor von „Wohnmaschine“, Architekt und Fotograf Martin Maleschka, nimmt zugleich Bezug auf seine Kindheitserinnerungen, denn aufgewachsen ist er nur einen Steinwurf entfernt von dieser Wohnung. Das Wohngebiet „An der Holzwolle“ hieß damals noch Otto-Grotewohl-Ring. Vier Wohnblöcke des Plattenbau-Typs P 2 sind seither abgebrochen worden, darunter auch der Aufgang mit der ehemaligen Wohnung Maleschkas.

Die Alltagsgegenstände, die nach 1945 von Formgestaltern anknüpfend an Traditionen des Bauhauses entworfen wurden, sind heute aus kaum einer modernen Wohnung wegzudenken. Aus den Depots des Dokumentationszentrums hat sich Maleschka nun eine Vielzahl von in der DDR industriell hergestellten Objekten in den signifikanten „Bauhausfarben“ Gelb, Blau und Rot ausgesucht, um diese in der Wohnung in einem #ThingsOrganisedNeatly-Design zu arrangieren: eine aus DDR-Alltagsgegenständen gelegte (Wohn-)Maschine. Die Wohnung wurde dafür in einen „whitecube“ mit grauem Estrichboden verwandelt (mit Ausnahme von Küche und Bad).

Die Objekte sind funktionsunabhängig in Flur, Schlaf- und Wohnzimmer auf dem Boden angeordnet. Die mit vielfältigen Holzfurnieren ausgekleidete Küche mit Durchreiche befindet sich – angereichert durch weiße und transparente Dinge – noch in dem Zustand, wie sie vom Vormieter hinterlassen wurde. Im fensterlosen Bad ist der Rohbau der Großtafelbauweise wieder sichtbar.

Durch die Projektion von Bildmaterial aus der fast siebzigjährigen Geschichte der Stadt wird die einzigartige Architektur der Wohnkomplexe I bis III, die im Bauhaus-Jahr Teil der „Grand Tour der Moderne“ist, erfahrbar gemacht. Demographischer Wandel, Stadtumbau und -schrumpfung sind dreißig Jahre nach der politischen Wende allgegenwärtig und werden auch in der „Wohnmaschine“ verarbeitet.

Der Name der künstlerischen Installation „Wohnmaschine“ geht zurück auf ein gleichnamiges und flankierendes Projekt an der Eisenhüttenstädter Gesamtschule 3. Darin hat sich die Klasse 12 b unter der Leitung des Kunstlehrers Winfried Bellgardt auf vielfältige Weise mit dem Bauhaus, dem Produktdesign in der DDR und dem Ausstellungsmachen auseinander gesetzt.

Im Rahmen dieses Semesterprojekts unterstützten Schülerinnen und Schüler die Entstehung von „Wohnmaschine“ tatkräftig und mit ihren Ideen. Ihre Arbeit dokumentierten sie in einem Kurzfilm, mit dem sie sich am Schülerwettbewerb „Mein Bauhaus – Meine Moderne“ der Architektenkammer Berlin und Brandenburg beteiligen. Der Film wird anlässlich der Eröffnung von „Wohnmaschine“ Premiere haben.

Öffnungszeiten: ab 23.6. bis 27.10.2019, jeden Sonntag 13 bis 17 Uhr
sowie nach Voranmeldung: 03364 417 355
Tickets erhalten Sie im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Erich-Weinert-Allee 3 in 15890 Eisenhüttenstadt.
www.utopieundalltag.de

„Wohnmaschine“ ist ein Kooperationsprojekt von:
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G.
Gesamtschule 3 Eisenhüttenstadt
Martin Maleschka

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