Auf die Planstadt Eisenhüttenstadt und das Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) richten Historiker und Kulturwissenschaftler nicht erst seit 1989 immer wieder ihren Blick. Doch das Bild von Stadt und Werk im Film ist bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Dies überrascht, denn diesem Medium wurde in der DDR aufgrund seiner Popularität hohe Bedeutung für die Darstellung der mit Stadt und Werk verbundenen Aufbauerfolge beigemessen. So bannten die Kameramänner der DDR-Wochenschau „Der Augenzeuge“ebenso wie renommierte DEFA-Dokumentaristen und Amateure die Stadt wiederholt auf Celluloid.

Christine Kisorsy zeigt in ihrem Vortrag nun das filmisch vermittelte Bild der Arbeiterstadt und des EKO. Sie stellt dazu zahlreiche Auszüge aus Wochenschauen, Dokumentar- und Spielfilmen der Jahre 1953 bis 1987 vor, die sie nach umfangreichen Recherchen aus den Archiven der DEFA zusammenstellen konnte.

Die Planstadt und das Eisenhüttenkombinat waren seit ihrer Gründung 1950/51 bis zum Ende der DDR immer wieder im Fokus medialer Darstellungen. Vor allem in der Zeit des „Aufbaus“ galt ihr Beispiel als symbolhaft für die gesamte DDR. Die Brüche und Veränderungen, welche die Geschichte der DDR kennzeichnen, ließen aber auch das „Image“ von Eisenhüttenstadt nicht unberührt. Vielmehr vollzog sich über die Jahrzehnte hinweg ein deutlicher Wandel in der Rolle, die dieser Stadt zugeschrieben wurde, und auch das Leben ihrer Bewohner änderte sich. Dies macht das Filmschaffen der DEFA, besonders bei Gegenüberstellung von Filmen unterschiedlicher Entstehungsphasen und ihrer jeweiligen Symbolbilder, unmittelbar nachvollziehbar.

Von Christine Kisorsy vorgestellt und kommentiert werden vor allem Dokumentarfilme, aber auch die wenigen fiktionalen Filme, die sich Eisenhüttenstadt zuwandten. Sie zeigt unter anderem Auszüge aus NACH 900 TAGEN (1953, Karl Gass), DAMALS UND HEUTE (1955, Walter Marten), MÄRKISCHE NOVELLE (1957, Max Jaap), OFENBAUER (1962, Jürgen Böttcher), DIE SUCHE NACH DEM WUNDERBUNTEN VÖGELCHEN (1964, Rolf Losansky), WEGGEFÄHRTEN (1974, Rolf Schnabel u.a.), DAMIT DER STAHL DEM FRIEDEN DIENT (1987, Filmstudio der NVA) sowie verschiedene Beiträge der DDR-Wochenschau DER AUGENZEUGE und des DDR-MAGAZINS.

Christine Kisorsy ist mit der Geschichte Eisenhüttenstadts eng vertraut: 2015, zum 65. Stadtgeburtstag, zeigte sie ihre Fotoausstellung zum „Hotel LUNIK“ im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

Schliessen