Ein Blick auf die Möbelproduktion zeigt in den fünfziger und sechziger Jahren Möbel, die von denen im Westen kaum unterscheidbar sind. „Gelsenkirchener Barock“, Nierentisch, skandinavischer Einfluss, Leitermöbel und Schleiflack mögen als erste chronologische Hinweise auf diese Zeit dienen. Wohnen in der DDR war zugleich maßgeblich durch die Verfügbarkeit von Wohnraum bestimmt, den Schwerpunkten des Wohnungsbaus und der für jede Wohnung notwendigen Wohnungszuweisung.

Wohn-„Kultur“ – dieser Ausstellungstitel verweist auf den normativen Anspruch des Staates, die Erziehung zum guten Geschmack, vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren. Während die Frauenzeitschrift „Sybille“ eine Serie von Einrichtungsvorschlägen noch zurückhaltend mit „Eine Wohnung – meine Wohnung“ betitelte, gingen Wohnungsratsgeber weiter: “Wie wohnen“ hieß eine Broschüre des Instituts für angewandte Kunst Ende der fünfziger Jahre, „Richtig wohnen“ ein an Kiosken verkauftes Magazin Ende der sechziger. Wohnen war damit nicht allein Privatsache, sondern bedeutete aus der offiziellen Perspektive zugleich immer auch gesellschaftliches Bewusstsein.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile, deren erster die Zeit der fünfziger und frühen sechziger Jahre umfasst, der zweite die Zeit ab Mitte der Sechziger bis zum Ende der DDR.

„Die wachsende Wohnung“ heißt der erste Teil der Ausstellung. Sie bezieht ihren Titel auf ein Programm komplettierungsfähiger Anbaumöbel, das Bruno Paul bereits 1937 entwickelt hatte und das in den ersten Jahren der DDR immer noch produziert wurde. Die Ausstellung zeigt drei Wohnzimmereinrichtungen: das in den frühen fünfziger Jahren dominierende, aus Einzelmöbeln bestehende repräsentative Wohnzimmer, die ab 1956 auch offiziell durchgesetzten komplettierungsfähigen Anbaumöbel mit der Serie 602 der deutschen Werkstätten Hellerau sowie, Anfang der sechziger Jahre, erstmals „hochmoderne“ Möbel, das Leitersystem „Sibylle“. Zu sehen ist die Veränderung der Küche von der Wohn- zur Arbeitsküche in dieser Zeit inklusive ihrer Ausstattung, sowie ein typisches Schlafzimmer. Ergänzend sind Accessoires wie Stoffe, Lampen, Wanduhren, Radios und Raumschmuck zu sehen.

Hintergrund für diese Präsentation sind die Jahre des Wiederaufbaus der kriegszerstörten Städte und Dörfer, erster Neubauprogramme auf Grundlage von Typenserien für Wohnhäuser, die in den Städten ab 1950 zum Tragen kamen, sowie die ab 1955 geplante Industrialisierung des Wohnungsbaus. In dieser Zeit konzentrierte sich der Wohnungsbau auf industrielle Entwicklungszentren, unter anderem die neuen Planstädte Eisenhüttenstadt und Hoyerswerda. Die Ausstellung gibt Informationen zu diesem städtebaulichen und architektonischen Kontexten.

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