In ihrem Vortrag gehen Jeanette Toussaint und Ralf Forster der Entwicklung der Zeitschrift und ihrem multimedialen Konzept nach. Sie erzählen von den Highlights ihrer Forschungen und zeigen anhand von Illustrationen die künstlerische Vielfalt der Zeitung. Außerdem präsentieren sie den Katalog zur Ausstellung, die 2017 im Rochow-Museum Reckahn zu sehen war und der die Ergebnisse dieser ersten kulturwissenschaftlichen Untersuchung von BUMMI zusammenfasst. Begleitet wird der Abend von Filmen, in denen BUMMI und Maxl die Hauptrolle spielen.

Seit sechzig Jahren begeistert die Vorschulzeitschrift BUMMI Kinder mit Angeboten zum Lesen, Basteln und Spielen. Titelheld ist ein gelber Bär, der 1957 aus dem Spielzeugland nach Berlin zog. In der DDR sollte er Drei- bis Sechsjährigen das Leben in einem sozialistischen Land erklären. Zugleich förderten Bildergeschichten, Mitmachaktionen, Rätsel, Lieder, Gedichte und Bastelbögen die Kreativität. Das Vorschulmagazin erreichte bis 1989 eine Auflage von einer Dreiviertelmillion und war im Abonnement sowie im freien Verkauf erhältlich. Eltern und Kindergärtnerinnen nutzten das Magazin, um praktische Fähigkeiten zu vermitteln und Kinder politisch zu erziehen. Doch die ideologischen Botschaften in BUMMI stießen auch auf Kritik, unter anderem von kirchlichen Kreisen.

Die Zeitschrift war das Lebenswerk der Chefredakteurin und Erfinderin der BUMMIFigur Ursula Böhnke-Kuckhoff. Sie verfasste viele Geschichten und legte Wert auf eine ansprechende Illustration. So prägten 143 Grafikerinnen und Grafiker wie Richard Hambach, Manfred Bofinger und vor allem Inge Meyer-Rey als zeichnerische Erfinderin des BUMMI das visuelle Erscheinungsbild.

In den 1960er Jahren erfuhr BUMMI – verbunden mit einem kurzzeitig reformierten DDR-Wirtschaftskonzept – eine umfangreiche multimediale Verbreitung im DDRAlltag: Es entstanden vier aufwändig gestaltete Kurzfilme über die Abenteuer von BUMMI und seinem Bärenfreund Maxl für das Kino. Ausgekoppelte Geschichten der Zeitschrift wurden als Bücher herausgegeben. Über viele Jahre gehörte BUMMI auch zum Figurenensemble von „Meister Nadelöhr“ im Fernsehen. Der Name verband sich mit der Welt der Vorschulkinder und stand häufig synonym dafür. BUMMI fungierte als Namenspate für Produkte, Kaufhäuser, Kindergärten und Kampagnen.

Jeanette Toussaint arbeitet seit 2005 als freiberufliche Autorin und Ausstellungskuratorin in Potsdam. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück und im Projekt „NS-Raubgut“ der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Zu ihren Schwerpunkten gehören Frauen- und Diktaturgeschichte. Darüber hinaus widmet sie sich der lokalen Kinogeschichte. Im Februar 2018 kam ihr Buch „Kino in der Filmstadt Babelsberg. Hundert Jahre Thalia“ heraus.

Dr. Ralf Forster ist Filmtechnikhistoriker, Ausstellungskurator und stellvertretender Sammlungsleiter am Filmmuseum Potsdam. Von ihm erschienen Publikationen zur Film- und Technikgeschichte der NS-Zeit und der DDR. Außerdem verfügt er über eine umfangreiche Filmsammlung, die er in Programmkinos und Filmmuseen präsentiert. Derzeit habilitiert er zum Amateurfilm in der DDR. Das Buch dazu erscheint im Herbst 2018 bei „edition text + kritik“.

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