Welche Geschichten werden erzählt und welche vergessen? Wie prägen unsere persönlichen Erinnerungen und Vorstellungen die Wahrnehmung von Objekten? Gleich im Eingangsbereich lassen U5 entlang von Formen und Farben Sammlungsobjekte und Kunstwerke in einer raumgreifenden Installation ineinander übergehen. Begleitet wird die Anordnung von einem 89-teiligen Tarotkarten-Set, dem Tarot der kleinen Dinge. Statt große und abstrakte Fragen des Lebens zu verhandeln, legen die Karten den Fokus auf das Alltägliche und Angewandte.

Zu den Museumsobjekten, die es den Künstlerinnen angetan haben, gehört auch eine Schachtel mit Dias einer DDR-Antarktis-Expedition. Sie erzählen die Geschichte der Georg-Foster-Station, deren letztes Expeditionsteam seinen Dienst im Oktober 1989 antritt, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer. Die Bilder inspirieren U5 gleich zu mehreren künstlerische Arbeiten: die Videoarbeit 1985, die Serie 6 Flags: Pic-tures from Antarctica, sowie sechs neue Recreation Areas.

Es entsteht ein offener Raum, der immer wieder Narrative und Zusammenhänge hervorbringt und Transformation als fortlaufende Mischung von Kontinuität und Veränderung beschreibt. Die Künstlerinnen laden das Publikum ein auf eine humorvolle, kritisch-feministische Reise, welche im Spiel zwischen Assoziation und Erinnerung die Magie des Alltags beschwört.

Dem Museum Utopie und Alltag ist es ein Anliegen, Alltagskultur und Kunst aus der DDR nicht allein wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu kontextualisieren, sondern gegenwärtige Erinnerungsdiskurse auch mit künstlerischen Mitteln kritisch zu hinterfragen. Schon seit mehreren Jahren lädt das Museum daher regelmäßig Kunstschaffende ein, sich kreativ den Beständen zu widmen und die Auseinandersetzung zu bereichern.

U5 ist ein Künstlerinnenkollektiv, das 2007 gegründet wurde. Die künstlerische Arbeit von U5 ist vielfältig, Medien und Materialien werden nach Interesse und Dringlichkeit gewählt und vertieft. U5 beschäftigt sich mit Eigenschaften kollektiver Handlungs- und Wahrnehmungsweisen in der künstlerischen Produktion, in Ausstellungen sowie in wissenschaftlichen Projekten.

Lea Schleiffenbaum ist Kunsthistorikerin und freie Kuratorin. Sie realisiert eigene Projekte und Ausstellungen im öffentlichen Raum, unter anderem für die Neuen Auftraggeber. Helene Romakin ist Kulturwissenschaftlerin, freie Kuratorin und Autorin. In 2023 schloss sie ihre Doktorarbeit zu Anthropozän und Storytelling an der ETH Zürich erfolgreich ab.

Der Reiniger, die Katze und der Mond ist eine Fortsetzung der Ausstellung I love Clark, die Anfang des Jahres im Brandenburgischen Kunstverein Potsdam gezeigt wurde.

Eine Ausstellung des Museum Utopie und Alltag gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv U5. Kuratiert von Helene Romakin und Lea Schleiffenbaum. Mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und GeWi – Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH.

Ort
Erich - Weinert - Allee 3
15890 Eisenhüttenstadt

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