Binnen einer Spanne von nur wenig mehr als einem Jahr – von den Wahlen im Mai 1989 bis zur Währungsunion am 1. Juli 1990 – hat sich im Osten Deutschlands eine politische und gesellschaftliche Situation entwickelt, die von einer verbreiteten Stagnation in der DDR zur deutschen Einheit führte.

Im Rückblick ist die Erinnerung an diese Zeit auf wenige Ereignisse fokussiert, besonders die Leipziger Montagsdemonstrationen im Oktober 1989 oder die Öffnung der Berlin Mauer am 9. November 1989. Aber diese Fokussierung spiegelt nicht annähernd die Komplexität der damaligen Situation. Für heutige Betrachter, vor allem junge Menschen, muss das Bild der friedlichen Revolution und der Demokratiebewegung in der DDR deshalb fremd wirken und ein Verständnis scheint am besten über einen Zugang über individuelle Zeugnisse möglich.

Die Ausstellung „1989 – Ein Jahr des Umbruchs und der Hoffnung“ stellt zehn autobiographische Erzählungen in den Mittelpunkt. Sie beschreiben jede für sich eine individuelle Sichtweise und Rückblende auf die Zeit des Mauerfalls. Die Erzählungen gehen teils weit zurück bis in die 60er Jahre und sind eng verbunden mit der Lebenswelt der Autorinnen und Autoren aus Berlin und Brandenburg, aus Ost- und West.

Die Geschichten berichten von Flugblättern gegen den Mauerbau, der inneren Auflösung in einem DDR-Betrieb, der Ankunft der ersten Westler in einer Gaststätte, dem Befremden an der geöffneten Grenze, der ersten in West-Berlin gekauften Punk-Platte, den Veränderungen in einem Seniorenheim und dem politischen Aufbruch einer Familie.

Die Ausstellung stellt die Erzählungen, die im Rahmen des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg entstanden sind, in einen weiterreichenden zeitgeschichtlichen Kontext und zeigt neben individuellen Zeugnissen zahlreiche Fotografien von Christian Borchert, Udo Hesse, Jürgen Nagel, Nelly Rau-Häring, Joachim Richau, Karl-Heinz Rothenberger und anderen, dazu Plakate, Flugblätter und Zeitungen.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Zeitzeugenpreis Berlin-Brandenburg und dem Stadtgeschichtlichen Museum Spandau sowie mit Unterstützung des Archiv für Kunst und Geschichte (akg-images), des Deutschen Rundfunkarchivs Potsdam-Babelsberg, der Robert-Havemann-Gesellschaft und mit Förderung von Kulturland Brandenburg 2009 „Freiheit, Gleichheit, Brandenburg“ und der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.

Zur Ausstellung ist die Publikation mit den besten Geschichten des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg erhältlich:
Johann-Friedrich Huffmann (Hg.): Das Jahr, in dem die Mauer fiel. 20 Jahre Mauerfall – Zeitzeugen erinnern sich. Anthologie zum Zeitzeugenpreis 2009; Berlin: Frieling-Verlag

Für die Unterstützung der Ausstellung danken wir:

Schliessen