Frau P. war eine gewissenhafte Frau, die Ihren Besitz ebenso sorgfältig verwahrte und katalogisierte, wie ihr eigenes Leben. Gekaufte Dinge, berufliche und private Unterlagen, oftmals mit kurzen Notizen über die jeweiligen Umstände versehen.
Schwerpunkt der Ausstellung sind die Hinterlassenschaften von Frau P., verbunden mit der Frage, warum sie angeschafft und bewahrt wurden.

Von den insgesamt 4800 Objekten, die das Dokumentationszentrum aus dem Nachlass erhielt, sind die meisten kaum oder gar nicht benutzt worden. Hüte, Mützen, Schals und Tücher, Schuhe und Schmuck, Handschuhe und Taschentücher sowie zahlreiche Taschen, Täschchen, Portemonnaies und Etuis bilden den Kern eines Besitzes persönlicher Accessoires. Frau P. verfügte über einen umfangreichen Besitz an Tischdecken, Platzdeckchen, Untersetzern, Schälchen, kleinen Dosen und kunstgewerblichen Gegenständen aller Art, die die Ausstattung eines großen Hauses bürgerlichen Zuschnitts ohne weiteres ermöglicht hätten. Im Nachlass finden sich auch Dutzende von Mappen mit Briefpapier, Grußkarten, Schreibblöcke, Notizhefte, Büromaterial, Fotoalben und andere Papierwaren, die nicht benutzt und nicht gefüllt sind.

Seit 1937 war Frau P. als Sekretärin berufstätig, ab 1950 in einem staatlichen Exportbetrieb. Aus zahlreichen Dokumenten lässt sich ihr Verhältnis zur Arbeit und ihre Stellung im Betrieb rekonstruieren, ebenso wie die privaten Lebensumstände. Aus vielen Details wird auch deutlich, wie der Lebenslauf von Frau P. mit der Zeitgeschichte verflochten ist: im Beruf mit den besonderen Umständen des Arbeitslebens in der DDR konfrontiert und von ihnen auch profitierend, im Privaten immer auch nach dem Westen orientiert, wo die Schwester lebte, von der sie durch den Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 getrennt war. In der Ausstellung wird dieser zeitgeschichtliche Kontext, versteckt in den Dingen, immer wieder zum Vorschein kommen.

Der Nachlass von Frau P. macht zunächst ratlos. Allein die Zahl der Dinge, die Frau P. angeschafft hat, deutet auf eine Obsession, Dinge ihres Gefallens besitzen und um sich herum versammeln zu wollen. Die Dinge gehörten zu ihr und zu ihrem Haus. Sind sie eine Repräsentation ‚typisch weiblicher‘ Sammlungen? Wollte sich Frau P. auf ein ‚bürgerliches Leben‘ vorbereiten, mit großem Haus und angemessenem persönlichen Auftritt? Wollte sie sich belohnen, indem sie Dinge Ihres Gefallens kaufte und mit nach Hause trug? Wollte sie sich mit Dingen umgeben, die sie als zugehörig zu Ihrer Persönlichkeit empfand? Auf je mehr Erklärungsansätze man stößt, je deutlicher wird, dass eine eindeutige Interpretation nicht möglich sein wird. Es ist diese Mischung aus Erstaunen und Ratlosigkeit, die auch die Ausstellung bestimmt. Es stellt sich immer wieder die Frage nach dem Verstehen dieser Ansammlung.

Leihgaben mit freundlicher Unterstützung von Dr. Karl-Robert Schütze und dem Deutschen Technikmuseum Berlin.

gefördert durch:

Schliessen